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Philosophische Grundlagen für eine bessere Politik



Die Darstellung erfolgt chronologisch rückwärts, von der Gegenwart zurück bis zur Antike. Der rote Faden, der sich durch alle diese Traditionen durchzieht, ist der Humanismus, d.h. der Rückgriff auf die Kultur der Antike, die den Menschen und seine Vernunft in den Mittelpunkt der Betrachtung stellt.

Für alle geistige Traditionen gilt, dass Ideen aus der Vergangenheit niemals 1:1 in die Gegenwart übertragen werden können. Es kann nur darum gehen, durch ein Anknüpfen an die Vergangenheit neue Antworten auf die Fragen der Gegenwart zu finden. Manche Tradition muss man auch ganz oder teilweise fallen lassen, wenn sie sich als nicht tragfähig erwiesen hat.



Übersicht:




Das Dreigestirn Karl Jaspers – Hannah Arendt – Martin Heidegger


Karl Jaspers:


Der Philosoph Karl Jaspers kann beinahe als „Hausphilosoph“ aller Kritiker am System der BRD-Demokratie bezeichnet werden. In seinem Buch Wohin treibt die Bundesrepublik? von 1966 beschreibt Jaspers angesichts der ersten Großen Koalition mit großer Weitsicht die Gefahren des politischen Systems der BRD und unterbreitet zahlreiche Reformvorschläge.

Karl Jaspers wurde durch die aufkommende Frankfurter Schule wegen seiner „überholten“ humanistischen Ansichten lächerlich gemacht. Das böse Wort vom „Jasperletheater“ machte die Runde. Auch deshalb ist Karl Jaspers ein Vordenker einer besseren politischen Kultur, an die neu angeknüpft werden kann.

Lektüre:

Wohin treibt die Bundesrepublik? von 1966:

Nur noch antiquarisch zu haben, z.B. bei amazon.de oder zvab.com

www.amazon.de/Wohin-treibt-Bundesrepublik-Karl-Jaspers/dp/B0000BRSHL/

Auch viele andere Werke von Karl Jaspers stützen Standpunkte, die für eine neue politische Kultur hilfreich sein können. Hier ist einiges zu entdecken:

http://www.amazon.de/Karl-Jaspers/e/B000APUXFC/

Wikipedia:

https://de.wikipedia.org/wiki/Karl_Jaspers


Zitate aus Buch Wohin treibt die Bundesrepublik? von Karl Jaspers:


Das Volk ist dem Namen nach der Souverän. Aber es hat keinerlei Einwirkung auf die Entscheidungen außer durch Wahlen, in denen nichts entschieden, sondern nur die Existenz der Parteienoligarchie anerkannt wird. Die großen Schicksalsfragen gehen nicht an das Volk. Ihre Beantwortung muss das Volk über sich ergehen lassen und merkt oft gar nicht, dass etwas und wie es entschieden wird.“ (Karl Jaspers, Wohin treibt die Bundesrepublik?, 1966, S. 134)


Wenn die Opposition nicht anerkannt wird als produktive Macht und als für den Staat unentbehrlich, dann ist sie nur negativ beurteilter, staatsfeindlicher, daher eigentlich verwerflicher Gegner. Wenn die Opposition keine eigenen, durchdachten und das Denken der Bevölkerung ergreifenden Zielsetzungen und Wege hat, dann erscheint sie der herrschenden Partei ähnlich. ... Mit der Aufhebung des Spiels der Opposition als unentbehrlichen Faktors der politischen Willensbildung des Staates hört die demokratische Freiheit auf. Denn der politische Kampf im Denken der Bevölkerung hört auf.“ (Karl Jaspers, Wohin treibt die Bundesrepublik?, 1966, S. 138)


Demokratie heißt Selbsterziehung und Information des Volkes. Es lernt nachdenken. Es weiß, was geschieht. Es urteilt. Die Demokratie befördert ständig den Prozess der Aufklärung. Parteienoligarchie dagegen heißt: Verachtung des Volkes. Sie neigt dazu, dem Volke Informationen vorzuenthalten. Man will es lieber dumm sein lassen. Das Volk braucht auch die Ziele, die die Oligarchie jeweils sich setzt, wenn sie überhaupt welche hat, nicht zu kennen. Man kann ihm statt dessen erregende Phrasen, allgemeine Redensarten, pompöse Moralforderungen und dergleichen vorsetzen. Es befindet sich ständig in der Passivität seiner Gewohnheiten, seiner Emotionen, seiner ungeprüften Zufallsmeinungen.“ (Karl Jaspers, Wohin treibt die Bundesrepublik?, 1966, S. 140)


Die Tendenz, eine Zensur auszuüben im Interesse der autoritären politischen Herrschaft, nimmt zu. Sie zeigt sich heute durch indirekte Maßnahmen.“ (Karl Jaspers, Wohin treibt die Bundesrepublik?, 1966, S. 153)


Die Freiheit aber muss durch Erziehung, Überlieferung, Übung und Wagnis stets neu erworben werden.“ (Karl Jaspers, Wohin treibt die Bundesrepublik?, 1966, S. 169)


Es gibt für uns [Deutsche] noch immer keinen politischen Ursprung und kein Ideal, kein Herkunftsbewusstsein und kein Zielbewusstsein, kaum eine andere Gegenwärtigkeit als den Willen zum Privaten, zum Wohlleben und zur Sicherheit.“ (Karl Jaspers, Wohin treibt die Bundesrepublik?, 1966, S. 178 f.)


Die Wirtschaft kann sich selbst ruinieren, wenn sie nicht unter ethischen Impulsen steht, die zuerst bei den Unternehmern, die durch ihr Vorbild den Geist ihres Betriebes erzeugen, dann bei den Arbeitern das ganze Leben tragen.“ (Karl Jaspers, Wohin treibt die Bundesrepublik?, 1966, S. 192)


Einige Vorschläge: ... Abschaffung 5%-Klausel, des konstruktiven Misstrauens-Votums, der Finanzierung der Parteien aus der Staatskasse. Der Sinn ist: Durchbrechung der Parteienoligarchie. Eine Gefahr, dass bei Anarchie der Parteien eine Hitlerdiktatur sich wiederhole, besteht nicht. Wohl aber besteht die Gefahr, dass aus der Parteienoligarchie ein autoritärer Staat und aus ihm die Diktatur erwächst. Diese Gefahr wird erhöht, wenn man die Angst vor der nicht bestehenden andern Gefahr festhält.“ (Karl Jaspers, Wohin treibt die Bundesrepublik?, 1966, S. 194)


Heute brauchen wir vor allem eine Geschichte der Freiheit in den deutschen Gebieten im Rahmen der abendländischen Geschichte, deren Glied wir sind.“ (Karl Jaspers, Wohin treibt die Bundesrepublik?, 1966, S. 204)


Dies muss mit Deutlichkeit betont werden. Die Verbindung mit den freien Staaten unter der Hegemonie der USA ist zwar notwendig zur Selbstbehauptung der Freiheit. Aber dieses Bündnis gilt nur außenpolitisch gegenüber der nicht freien Welt. Innenpolitisch hat jeder Staat, jedes Volk seine Freiheit. Dazu kommt eine gemeinsame 'Innenpolitik' der freien Staaten unter sich, vor allem in Wirtschaftsfragen. Hier gilt keine Hegemonie.“ (Karl Jaspers, Wohin treibt die Bundesrepublik?, 1966, S. 250)


Wer als Deutscher alt geworden ist, hat es zweimal erlebt (1914 und 1933) und fürchtet, dass es sich zum dritten Mal wiederholen könnte. Es ist in allem Wandel der Erscheinung etwas unheimlich Bleibendes. Nur die Deutschen, die sich dessen bewusst werden, können es überwinden.“ (Karl Jaspers, Wohin treibt die Bundesrepublik?, 1966, S. 281)



Hannah Arendt:


Die Philosophin Hannah Arendt steht für das Konzept des Totalitarismus, das Nationalsozialismus und Kommunismus gleichermaßen als totalitäre Systeme brandmarkt. Dem entspricht der antitotalitäre Grundkonsens der Demokraten. Bekanntlich wurde dieser antitotalitäre Grundkonsens immer mehr durch den „Antifaschismus“ ersetzt, der auf dem linken Auge blind ist.

Außerdem prägte Hannah Arendt das Wort von der „Banalität des Bösen“, mit dem sie sich gegen eine quasi metaphysische Überhöhung und Dämonisierung des Holocaust wandte und für eine nüchtern-rationale, verantwortungsbewusste Analyse der Geschichte plädierte.

Lektüre:

https://de.wikipedia.org/wiki/Hannah_Arendt

http://www.amazon.de/Hannah-Arendt/e/B000AQ4I5W/



Martin Heidegger:


Der Philosoph Martin Heidegger gehört durch seine geistige Verbundenheit mit Karl Jaspers und Hannah Arendt in eine Reihe mit Jaspers und Arendt – doch Heidegger stand der Ideenwelt des Nationalsozialismus zu nah. Heidegger war einer der einflussreichsten Philosophen des 20. Jahrhunderts, dessen Philosophie international geschätzt und diskutiert wird – doch gerade auch aus politischer Sicht muss die Regel gelten: Im Zweifel gegen Heidegger und für Karl Jaspers und Hannah Arendt.

Lektüre:

https://de.wikipedia.org/wiki/Martin_Heidegger

http://www.amazon.de/Martin-Heidegger/e/B000APZ0DM/




Die Vordenker des Wirtschafslilberalismus


Eine bessere politische Kultur muss für eine liberale, vernünftig geordnete Wirtschaftspolitik eintreten, in der Tradition der Österreichischen Schule und des Ordoliberalismus der Freiburger Schule der Nationalökonomie ein. Deren Vordenker hatten einen so umfassenden Blick auf Mensch und Gesellschaft, dass sie nicht nur als bloße Ökonomen, sondern auch als Philosophen in einem umfassenderen Sinn zu bezeichnen sind. Ludwig Erhard und seine Wirtschaftspolitik steht für das Ideal der Sozialen Marktwirtschaft, die Wohlstand für alle schafft.

Aus dem angelsächsischen Raum wurde die russisch-amerikanische Schriftstellerin Ayn Rand mit ihrer Philosophie des Objektivismus zu einer Inspiration, die sie in Romanen wie „Atlas shrugged“ entwickelte.

Lektüre:

https://de.wikipedia.org/wiki/Österreichische_Schule

https://de.wikipedia.org/wiki/Ordoliberalismus

https://de.wikipedia.org/wiki/Soziale_Marktwirtschaft

https://de.wikipedia.org/wiki/Objektivismus_(Ayn_Rand)



Werner Jaeger und der Humanismus


Werner Jaeger war einer der weltweit führenden klassischen Philologen im 20. Jahrhundert und der Hauptvertreter der Bewegung des sogenannten Dritten Humanismus: Werner Jaeger wollte die antike Geisteswelt neu für die Gegenwart fruchtbar machen und stemmte sich gegen die Verdrängung der Antike aus den Bildungsplänen, die in den 1920er Jahren um sich griff. Es waren nicht die schlechtesten Zeiten Deutschlands, in denen die Wissenschaften rund um die klassische Antike die Rolle der „führenden“ Wissenschaften spielten, die den Ton in der Gesellschaft angaben. Zum Vergleich: Heute spielt durch das Wirken der Frankfurter Schule die Soziologie die Rolle der „führenden“ Wissenschaft in Deutschland, die den Ton angibt.

Weil der Humanismus von den Nationalsozialisten abgelehnt wurde und weil seine Ehefrau Jüdin war, emigrierte Jaeger 1936 in die USA, von wo er nach 1945 nicht mehr nach Deutschland zurückkehrte. Statt Werner Jaeger kamen die Vertreter der Frankfurter Schule nach Deutschland zurück. Der Weggang von Werner Jaeger hat eine bis heute nicht geschlossene Lücke im deutschen Geistesleben hinterlassen.

Eine neue politische Kultur muss sich gegen die nach 1945 und erst recht nach 1968 immer stärker gewordene linkslastige Einseitigkeit des deutschen Geisteslebens wenden, und Alternativen suchen. Werner Jaeger ist eine solche Alternative.

Es gibt Anschuldigungen gegen Werner Jaeger, dass er sich 1933 dem Nationalsozialismus angebiedert hätte, weil er das wahre Wesen des Nationalsozialismus zunächst nicht erkannt hätte. Diese Vorwürfe haben wenig Substanz, und selbst wenn es wahr wäre, dass Jaeger sich zeitweise irrte: An der humanistischen Grundhaltung von Werner Jaeger kann es keinen Zweifel geben.

Lektüre:

Jaegers Werke sind häufig nur antiquarisch verfügbar, z.B. bei zvab.com.

https://de.wikipedia.org/wiki/Werner_Jaeger

http://www.zvab.com/servlet/SearchResults?an=werner+jaeger&sts=t




Die Attentäter des 20. Juli 1944


Anders als manche meinen, waren die Attentäter des 20. Juli 1944 nicht einfach nur „konservative preußische Militärs“, sondern vereinten in sich viele politische, landsmannschaftliche und weltanschauliche Strömungen, darunter auch Gewerkschafter und Sozialdemokraten. Das Bindeglied der Attentäter war ihr Verantwortungsbewusstsein für die Menschen und ihr Patriotismus.

Maßstab dafür, welche der verschiedenen Strömungen in welchem Maße heute traditionsbildend für eine neue politische Kultur sein können, ist natürlich der Humanismus. Damals wie heute grundlegend für eine neue politische Kultur ist der >Grundsatz Nr. 1< der Regierungserklärung, die die Attentäter für den Fall einer erfolgreichen Machtübernahme vorbereitet hatten:


Erste Aufgabe ist die Wiederherstellung der vollkommenen Majestät des Rechts. Die Regierung selbst muss darauf bedacht sein, jede Willkür zu vermeiden, sie muss sich daher einer geordneten Kontrolle durch das Volk unterstellen.“


Lektüre:

http://www.amazon.de/s/url=search-alias%3Dstripbooks&field-keywords=20.+juli+1944




Albert Schweitzer


Albert Schweitzer ist heute nur noch als „Urwalddoktor“ bekannt, und vielleicht auch als Bach-Kenner. Aber er war auch ein wichtiger Philosoph.

Sein philosophisches Werk, dessen erster Teil von 1923 den bezeichnenden Titel „Verfall und Wiederaufbau der Kultur“ trägt, wirft grundsätzliche Fragen auf, wie es zur Katastrophe des 20. Jahrhunderts kommen konnte, und wie auf den Verlust des Christentums als Grundlage aller Kultur in Europa zu reagieren ist.

Diese heute vergessenen Gedanken treffen grundlegende Fragestellungen zum Niedergang unserer Kultur, und welche Alternativen wir dazu haben.

Lektüre:

http://www.amazon.de/Kulturphilosophie-Verfall-Wiederaufbau-Kultur-Becksche/dp/3406563783/




Weimarer Klassik


Die Schriftsteller der Weimarer Klassik, die heute oft nur noch als Dichter aber nicht mehr als Denker wahrgenommen werden, orientierten sich an der klassischen Antike und schufen eine wahrhaft „klassische“ Epoche der deutschen Literatur und Geisteswelt. Zu nennen sind vor allem die Namen Goethe und Schiller.

Lektüre:

https://de.wikipedia.org/wiki/Weimarer_Klassik




Preußen


Preußen steht für die beeindruckende Aufbauleistung eines ökonomisch randständigen Staates und das preußische Pflichtethos. Preußen begründete auch den deutschen Rechtsstaat. Bekannte Namen sind z.B. Friedrich der Große, Immanuel Kant, Reichsfreiherr vom und zum Stein oder Otto von Bismarck.

Der preußische Staatsminister und Bildungsreformer Wilhelm von Humboldt war ein Pionier des Humanismus. Mit dem humanistischen Gymnasium und der humboldtschen Universität mit ihrem Ideal einer freien Wissenschaft begründete Wilhelm von Humboldt das erfolgreiche deutsche Bildungswesen. Mit seiner Schrift über die Grenzen der Wirksamkeit des Staates wurde er zu einem Vordenker des politischen Liberalismus. Sein Bruder Alexander von Humboldt steht für die Akzeptanz der Menschenrechte und den wissenschaftlichen Fortschritt. Preußen brachte das humanistische Ideal auch architektonisch im „Preußischen Klassizismus“ zum Ausdruck, der die deutsche Hauptstadt bis heute prägt.

Nach 1945 versuchte u.a. Hans-Joachim Schoeps die Ehre Preußens vor einer unzulässigen Verwechslung mit dem nationalsozialistischen Ungeist zu bewahren. Die Bundesrepublik Deutschland ist direkter Nachfolgestaat jenes deutschen Staates, der sich im 19. Jahrhundert unter der Führung Preußens bildete.

Lektüre:

https://de.wikipedia.org/wiki/Preußische_Tugenden

https://de.wikipedia.org/wiki/Wilhelm_von_Humboldt

https://de.wikipedia.org/wiki/Alexander_von_Humboldt

https://de.wikipedia.org/wiki/Hans-Joachim_Schoeps

Wilhelm von Humboldt als Vordenker des Liberalismus:

http://www.faz.net/aktuell/wirtschaft/wirtschaftspolitik/versagt-der-staat-in-der-fluechtlingskrise-14055930.html




Die Aufklärung – 1848/49


Die Aufklärung entwickelte sich, als die antike Bildung nicht nur eine Sache weniger Gebildeter war, sondern immer weitere Kreise erreichte.

Eine neue politische Kultur muss eher den rationalistischen und liberalen Vordenkern zuneigen. Namentlich Rousseau oder Saint-Simon gehören eher nicht zu diesen. Insbesondere in Bezug auf Demokratietheorie und Wirtschaftspolitik sind Sympathien für den Pragmatismus des angelsächsischen aufklärerischen Denkens von Nutzen.

Die Revolution von 1848/49 versuchte die Ideale der Aufklärung auch in Deutschland umzusetzen.

Lektüre:

https://de.wikipedia.org/wiki/Aufklärung




Christentum und humanistische Reformen


Für eine neue politische Kultur muss das Christentum – unabhängig davon, ob man Christ ist oder nicht – eine tragende Säule der europäischen Kultur sein. Aber nicht irgendein Christentum, sondern dasjenige Christentum, das nach den Verirrungen des Mittelalters durch humanistische Reformer wieder zu sich selbst zurückfand!

Diese humanistischen Reformer waren vor allem Erasmus von Rotterdam und Philipp Melanchthon. Erasmus von Rotterdam wandte sich mit seiner satirischen Schrift „Lob der Torheit“ gegen die damals herrschende politische Korrektheit und plädierte noch vor Martin Luther für Reformen. Philipp Melanchthon war der geistige Kopf hinter Martin Luther und der protestantischen Reformation, und gilt wegen seiner humanistischen Bildungsreformen auch als Praeceptor Germaniae, d.h. „Lehrer Deutschlands“.

Lektüre:

Stefan Zweig hat die Bedeutung von Erasmus von Rotterdam und Philipp Melanchthon sehr gut in seinem Werk Triumph und Tragik des Erasmus von Rotterdam beschrieben:

http://www.amazon.de/Triumph-Tragik-Erasmus-von-Rotterdam/dp/3596222796/

http://www.amazon.de/Glaube-Bildung-Lat-Reclams-Universal-Bibliothek/dp/3150086094/

https://de.wikipedia.org/wiki/Erasmus_von_Rotterdam

https://de.wikipedia.org/wiki/Philipp_Melanchthon


Religiöse Reformen sind überhaupt ein sehr deutsches Thema und damit ein Thema für eine neue politische Kultur, denn neben der bekannten Reformation durch Martin Luther und Philipp Melanchthon gab es u.a. auch folgende wichtigen Reformschritte:

Lektüre:

https://de.wikipedia.org/wiki/Historisch-kritische_Methode

https://de.wikipedia.org/wiki/Zweites_Vatikanisches_Konzil


Grenzen der Vielfalt:

Religiöse Reformen sind ein zentrales Thema für eine neue politische Kultur. Denn eine neue politische Kultur muss sich gegen die Blauäugigkeit von Multikulti wenden. Nur solche Religionsgemeinschaften, die sich für den Humanismus geöffnet haben, können Teil der europäischen Vielfalt sein. Das gilt für Christen genauso wie für jede andere Religionsgemeinschaft.

So ist es z.B. abzulehnen, dass ein nicht-reformierter Islam durch intensives Wegsehen als dauerhafter Bestandteil unserer aufgeklärten Gesellschaft „akzeptiert“ wird. Nur dort, wo sich der Islam für humanistische Reformen öffnet, kann er in die europäische Gesellschaft integriert werden. Ein traditionalistischer, antihumanistischer, nicht-reformierter Islam ist ein gefährlicher Feind unserer Verfassung.

Lektüre:

http://www.amazon.de/Islam-ist-Barmherzigkeit-Grundzüge-modernen/dp/3451305720/

http://www.amazon.de/Schatten-Schwertes-Entstehung-arabischen-Weltreichs/dp/3608943803/


Politische Neuordnung der weltanschaulichen Vielfalt:

Eine neue politische Kultur steht vor der Aufgabe, ein weltanschaulich plural gewordenes Deutschland politisch neu zu integrieren. Das Christentum bleibt wichtig, kann aber nicht mehr als alleinige, gemeinsame Grundlage dienen. Nur der Humanismus bietet eine tragfähige Grundlage für alle, weil er keine eigene Weltanschauung ist, sondern sich auf weltanschauliche Teilaspekte bezieht, die alle teilen können.

Politische Privilegien für Religionsgemeinschaften wie z.B. die Kirchensteuer und ein konfessioneller Religionsunterricht an staatlichen Schulen haben sich überlebt und müssen dringend reformiert werden.

Während sich Adenauer und de Gaulle in der Kathedrale von Reims trafen, um ihre Verbundenheit im christlich-katholischen Glauben zur Grundlage Europas zu machen, ist heute eher ein Blick auf den Dom von Aachen und die Kathedrale von Chartres vonnöten: Sowohl Karl der Große mit seiner Karolingischen Renaissance als auch die Schule von Chartres versuchten als erste nach dem Anbruch des „finsteren“ Mittelalters eine Wiederbelebung des antiken Denkens.

Lektüre:

https://de.wikipedia.org/wiki/Karolingische_Renaissance

https://de.wikipedia.org/wiki/Schule_von_Chartres



Die Antike und das Dreigestirn Platon – Aristoteles – Cicero


Der Wurzelgrund unserer modernen, aufgeklärten Welt ist die griechisch-römische Antike. Dem humanistischen Geist der Antike haben wir fast alles zu verdanken, was unsere Kultur ausmacht. Von der Demokratie über Wissenschaft und Kunst bis hin zum Bildungswesen.

Deshalb müssen wir uns immer wieder von neuem an der Antike orientieren. Jede wahre Erneuerung beginnt mit dem Ruf: Zurück zu den Quellen! Die drei zentralen Denker der Antike waren die griechischen Philosophen Platon und Aristoteles sowie der römische Staatsmann und Philosoph Cicero.


Karl Jaspers schrieb über humanistische Bildung an der Schule:


Der Abendländer soll in griechischer und römischer Welt und in der Bibel zu Hause sein. Das ist möglich auch ohne Kenntnis der alten Sprachen, zumal bei der heute gegenüber früheren Zeiten unvergleichlichen Zugänglichkeit guter Übersetzungen in billigen Ausgaben. Es ist als ob wir durch die Tiefe und Einfachheit des Großen in der Antike wie in eine neue Dimension unseres Lebens gelangen, den Adel des Menschen erfahren und Maßstäbe gewinnen. Wer nicht von der Antike weiß, ist noch nicht erwacht und bleibt barbarisch.“ (Karl Jaspers, Wohin treibt die Bundesrepublik?, 1966, S. 202 f.)


Lektüre:

http://www.amazon.de/Bildung-kulturelle-Identität-Manfred-Fuhrmann/dp/3150181828/

http://www.amazon.de/Hellas-sei-Dank-historische-Abrechnung/dp/3827500095/



Nachwort zur AfD


Der vorliegende Text wurde ursprünglich im Hinblick auf die Partei Alternative für Deutschland AfD verfasst, in der Absicht, mit diesen geistigen Grundlagen anregend in die Partei hineinwirken zu können. Nachdem sich in dieser Partei ein irreversibler Rechtsruck abzeichnete und der liberal-konservative Charakter der AfD verlorenging, wurde am 06.08.2016 jeder Bezug auf die AfD von dieser Seite getilgt.



Finis.



Thorwald C. Franke

31.12.2015 / 01.01.2016 / 14.01.2016 / 06.08.2016

Version 03 – 06.08.2016







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